Zuhause ist ein fernes Land

Als Abriss durch das künstlerische Schaffen der Fotografin Gundula Schulze Eldowy in der DDR präsentiert sich die derzeitige Wechselausstellung im Zeitgeschichtlichen Forum Leipzig mit dem Titel Zuhause ist ein fernes Land. Zu sehen ist eine Auswahl an fotografischen Arbeiten aus vier unterschiedlichen Werkgruppen, die bis auf einen ebenfalls gezeigten Film aus dem Jahr 2009, zwischen 1977 und 1989 unter anderem in Ost-Berlin, Leipzig und Dresden entstanden.

Eigenschaften von Berlin, 1987

Eigenschaften von Berlin, 1987                                                                                             © Gundula Schulze Eldowy

Gundula Schulze Eldowy, 1954 in Erfurt geboren, studiert von 1979 bis 1984 Fotografie an der HGB Leipzig, bevor sie zurück nach Ost-Berlin geht, wo sie bereits seit 1972 lebte. 1985 wird der amerikanische Fotograf Robert Frank, dessen Ausstellung spannenderweise gerade in der HALLE 14 zu sehen ist, auf sie aufmerksam. Er beginnt die Künstlerin zu fördern und ermutigt sie, nach dem Mauerfall zu ihm nach New York zu kommen. In den folgenden Jahren nutzt Gundula Schulze Eldowy die neue Freiheit für Arbeitsaufenthalte und Reisen in die USA, nach Afrika, Asien und schließlich nach Südamerika. Heute lebt sie in Berlin und Peru.

In zunächst ausschließlich schwarzweißen Aufnahmen wirft die Fotografin einen Blick auf das ungeschönte Leben in der DDR (Aktportrait und Berlin in einer Hundenacht, 1977-89). Sie dokumentiert ihre Berliner Alltagsumgebung: Verfallene Hinterhäuser, skurrile Alte, Randfiguren der Gesellschaft, die manchmal Mitleid, manchmal Befremden auslösen, die neugierig machen oder auch amüsieren.

Der Führer, 1987

Der Führer, 1987                                                                                                                       © Gundula Schulze Eldowy

1986, wegen angeblicher Spionage bereits im Visier der Stasi, geht Gundula Schulze Eldowy nach Dresden, wo sie beginnt, Menschen und deren Arbeitsalltag fotografisch festzuhalten – nun aber in satten Farben (Arbeit, 1985). Auch hier zeigen ihre sozial-dokumentarischen Arbeiten nicht den staatlich propagierten Realsozialismus, sondern einen ungeschönten Blick auf die tatsächlichen Arbeitsbedingungen, auf Mangelwirtschaft und veraltete Technik.

Flöha, 1986

Flöha, 1986                                                                                                                               © Gundula Schulze Eldowy

1989 kehrt die Fotografin noch einmal zurück nach Leipzig. Ihr Sujet hier: Ihre Sicht auf die Friedliche Revolution.

Leipzig, 1989

Leipzig, 1989                                                                                                                             © Gundula Schulze Eldowy

Was alle Bilder eint, ist die Eindringlichkeit, denen sich der Betrachter nur schwer entziehen kann. Jedes einzelne erzählt eine Geschichte – berührt auf eine ganz eigene Weise. Rückblickend dokumentieren die in der Ausstellung gezeigten Fotografien die Gesellschaft eines sich auflösenden Systems. Sie sind Zeugnisse einer noch nicht allzu entfernten Vergangenheit und auch unter diesem Aspekt im Zeitgeschichtlichen Forum ausgestellt, wo sie noch bis 14. August 2016 bei freiem Eintritt zu sehen sind.

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