War is over – Robert Capa in Leipzig

Als am Sonntag vor zwei Wochen die Ausstellung War is over in einem kleinen Nebenraum des Café Eigler im sogenannten Capa-Haus eröffnet wurde, war der Besucheransturm so groß, dass es kaum möglich war, einen Blick auf die berühmten Fotos des amerikanischen Kriegsfotografen Robert Capa zu erhaschen.

Wir beschlossen daher, es am nächsten Tag zur Mittagszeit noch einmal zu versuchen und tatsächlich hatten wir die Ausstellung beinahe für uns allein.

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Blick in den Ausstellungsraum.

Der Ort der Ausstellung ist nicht zufällig gewählt. Hier, im Eckhaus Jahnallee 61, wurde am 18. April 1945, kurz vor Ende des Zweiten Weltkrieges, der amerikanische Maschinengewehrschütze Raymond J. Bowman von einem deutschen Soldaten erschossen. Die Aufnahmen Capas, der das Vorrücken der amerikanischen Infanteriedivision begleitete und die Geschehnisse fotografisch dokumentierte, erschienen wenige Tage später als Fotoserie im Life Magazin. Das Bild, welches den jungen Soldaten tot im Türrahmen zwischen Balkon und Tür am Boden liegend zeigt, ging als The Last Man to Die um die Welt und zählt bis heute zu den berühmtesten Kriegsfotografien überhaupt.

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Robert Capas Erinnerungen an den 18. April 1945 im Buch Slightly out of Focus.

Nur den Bemühungen einer Leipziger Bürgerinitiative ist es zu verdanken, dass das historische Gebäude nach langjährigem Leerstand und Verfall erhalten blieb und nun frisch renoviert unter dem Namen Capa-Haus als „Gedenkort und Mahnung für den Frieden“ dient.

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Faltblatt der Bürgerinitiative „Capa-Haus“

Robert Capa (als Endre Ernő Friedmann 1913 in Budapest geboren) ging 1930 nach Berlin, um Journalismus und Politikwissenschaft zu studieren. Nebenbei war er als Fotoassistent beim Deutschen Photodienst tätig. 1933 verließ Capa Deutschland und ging nach Paris, wo er fortan als Fotojournalist arbeitete. Internationale Bekanntheit erlangte er mit der Aufnahme des Loyalistischen Soldaten im Moment seines Todes, die während des Spanischen Bürgerkrieges 1936 entstand. Mit Beginn des Zweiten Weltkrieges übersiedelte Capa in die USA. Als Kriegsberichterstatter für die Zeitschriften Time, Life und Collier’s fotografierte er unter anderem in Nordafrika, Italien, Frankreich und Deutschland. 1954 kam er während der Berichterstattung im Ersten Indochinakrieg ums Leben.

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Collage mit Portraits von Robert Capa am Fenster des Ausstellungsraumes.

In der Leipziger Ausstellung, die mit Unterstützung des Stadtgeschichtlichen Museums entstand, werden neben 15 Bildern aus der Leipzig-Serie von Robert Capa, die das International Center of Photography in New York zur Verfügung stellte, der originale Stuhl, welcher auf dem Foto The Last Man to Die zu sehen ist sowie eine originale Kamera des Fotografen präsentiert. Das filmische Begleitprogramm besteht aus einer Dokumentation des MDR, in der unter anderem Lehman Riggs, ein Kamerad des gefallenen Soldaten Bowman, über das Kriegsende in Leipzig spricht sowie dem Video Fading der Künstlerin Alina Cyraneks.

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Faltblatt der Bürgerinitiative „Capa-Haus“

Die Ausstellung ist täglich von 9 Uhr bis 19 Uhr geöffnet.

 

 

 

 

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