»Vor Zeiten« Fotografie von Harald Hauswald

„Wo sind denn die ganzen Leipziger Fotografie Studenten“ fragte der junge Mann neben mir auf der Eröffnung der Ausstellung im Foyer des Leipziger Haus des Buches. Und auch ich war durchaus verwundert, dass ich mich fast ausnahmslos zwischen einem Publikum der Generation 50 Plus wiederfand. Vielleicht lag es ja daran, dass ich selbst auf der Internetseite des Veranstalters vergeblich einen Hinweis auf die Eröffnungsveranstaltung suchte (#Neuland?).

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Ausstellung im Foyer des Haus des Buches

Mangelndes Interesse hingegen schließe ich aus, da Harald Hauswald, der 1990 gemeinsam mit sechs weiteren Fotografen die Agentur Ostkreuz gründete, bereits in der DDR zu den bedeutendsten Fotografen des Landes gehörte.

Die Ausstellung „zum 60. Geburtstag des Fotografen“ umfasst Arbeiten, die in den Jahren zwischen 1976 und 1990 entstanden sind und zeichnet dabei ein Bild des Alltags in der DDR. Hauswalds (zumeist Schwarz-Weiß) Fotos, stehen dabei in einem anschaulichen Kontrast zu den derzeit im Deutschen Historischen Museum in Berlin ausgestellten Arbeiten Martin Schmidts und Kurt Schartzers, deren Auftragsfotografien eine durchweg positive Darstellung des Lebens in der DDR zeigen.

Die Laudatio zur Eröffnung, zu der auch der Künstler selbst anwesend war, hielt der Zeit-Journalist und Autor Christoph Diekmann, ein Weggefährte Hauswalds. In lustige Anekdoten verpackt erzählte er von den ersten gemeinsamen Arbeiten und beschrieb den Werdegang des Fotografen, mit dem ihn bis heute eine enge Freundschaft verbindet. Er beschreibt Hauswald als einen „Wirklichkeitschronisten der niedergehenden DDR“ in dessen Bildern sich eine „tiefe Mitmenschlichkeit“ erkennen lässt.

Harald Hauswald beim Signieren eines Buches

Harald Hauswald beim Signieren eines Buches

Die DDR, für die einen ein fester Teil Ihrer eigenen Erinnerung, für die anderen noch immer ein unbekannter Ort, bekommt in Hauswalds Bildern ein Gesicht – oder besser gesagt, viele Gesichter. Die Gesichter der Menschen, zumeist in eindrücklichen Schwarz-Weißaufnahmen festgehalten, die ihr Leben zwischen Alltag und Staatsmacht lebten. Oft ungeschönt, manchmal mit offener Ironie laden die Fotos zu einer Reise in die noch junge Vergangenheit ein.

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Ausschnitte aus Fotografien von Harald Hauswald

Zwei empfehlenswerte Bücher mit Hauswalds Arbeiten sind bereits im Lehmstedt Verlag erschienen. Und für alle, die gerne Filme schauen, finden sich einige der derzeit in Leipzig ausgestellten Fotografien auch in dem bereits etwas älteren kurzen Beitrag der Deutschen Welle.

Da die Ausstellung noch bis zum 27. Juni zu besichtigen ist, nutzt die Chance, Euch Harald Hauswalds Fotografien live anzuschauen.

Haus des Buches
Gerichtsweg 28
04013 Leipzig
Mo- DO 9-17 Uhr
Fr 9-15 Uhr
www.haus-des-buches-leipzig.de

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