Stefan Koppelkamm – Vom Leben in der Stadt

Noch bis morgen ist im Untergeschoss des Museums der bildenden Künste die Ausstellung Häuser Räume Stimmen des Berliner Fotografen Stefan Koppelkamm zu sehen.

Die Arbeiten des Künstlers, der seit 1993 als Professor für Visuelle Kommunikation an der Kunsthochschule Berlin-Weißensee lehrt, thematisieren in drei verschiedenen Werkgruppen – in jeweils einem eigenen Raum präsentiert – den Charakter urbaner Räume sowie städtische und gesellschaftliche Wandlungsprozesse.

Koppelkamm_Leipzig-Barfußgaesschen

Leipzig, Barfußgässchen/Klostergasse, 1990/2002 © Stefan Koppelkamm

Die schwarz weißen Diptychen der Serie Ortszeit wirken auf den ersten Blick wie Dokumente einer denkmalpflegerischen Bestandsaufnahme. Entstanden sind die Großformatfotografien Anfang der 1990er Jahre, als Koppelkamm durch Ostdeutschland reiste und unter anderem in Dresden, Leipzig und Görlitz Plätze, Straßen und Häuser fotografierte, die mit ihren grauen und verwitterten Fassaden wie Relikte einer längst vergangenen Zeit auf ihn gewirkt haben müssen. Knapp zehn Jahre später machte er sich erneut auf, um die Aufnahmen an den exakt gleichen Orten zu wiederholen. Die Bilder zeigen: Städtische Räume unterliegen einem stetigen Wandel. Die zum Teil komplett renovierten Gebäude, vor allem aber die anfangs nebensächlich erscheinenden Details wie Reklameschilder oder Autos lassen nicht nur die baulichen, sondern auch die ökonomischen und sozialen Veränderungen der vergangenen Jahre sichtbar werden.

Dresden , Görlitzer Straße, 1991/2001 © Stefan Koppelkamm

Dresden, Görlitzer Straße, 1991/2001  © Stefan Koppelkamm

Im zweiten Ausstellungsraum werden die zum Teil farbigen großformatigen Aufnahmen der Serie Screening präsentiert. Laut Definition versteht man unter Screening ein systematisches Testverfahren, das eingesetzt wird, um innerhalb eines definierten Prüfbereichs Elemente herauszufiltern, die bestimmte Eigenschaften aufweisen. Ähnlich ermöglicht Koppelkamm dem Betrachter, einen voyeuristischen Blick auf die Menschen hinter den gläsernen Fassaden städtischer Bürogebäude und Hotels zu werfen und die Erwartungen an sie als Akteure, beispielsweise im Büroalltag abzugleichen. Öffentlicher und privater Raum scheinen sich aufzulösen  – wirklich nahe kommt man den Menschen jedoch nicht.

Hauptverwaltung IV , Berlin, Potsdamer Platz, © Stefan Koppelkamm

Hauptverwaltung IV, Berlin, Potsdamer Platz, 2007 © Stefan Koppelkamm

Die Fotografien der im Stadtraum aufgehängten XXL Plakate, deren Vertrautheit suggerierende Werbegesichter ihre Kaufbotschaften an die Passanten richten, wirken wir (deplazierte) dekorative Elemente an der von Glas- und Stahlfassaden geprägten anonymen städtischen Architektur.

Charlize , Berlin, Ernst-Reuter-Platz, 2006 © Stefan Koppelkamm

Charlize, Berlin, Ernst-Reuter-Platz, 2006 © Stefan Koppelkamm

Im kleinsten Raum der Ausstellung werden im Werkkomplex Essen, Trinken, Reden Räume, die eigentlich als Orte der Kommunikation gelten, wie verlassene Bühnenbilder inszeniert. Es gibt keine Menschen in den Cafés, Restaurants oder Schwimmbad – es wird also weder gegessen oder getrunken, noch geredet, gespielt oder gebadet. Erst über soundscapes werden die gewohnten Geräuschkulissen zugespielt. Ein Probe für die Seh- und Hörgewohnheiten, während unser Gehirn versucht, Bild und Ton in Einklang zu bringen.

HBC

HBC , Karl-Liebknecht-Straße, Berlin , ohne Datum, © Stefan Koppelkamm

Koppelkamms Arbeiten sind viel mehr als reine Architekturfotografien. Über die Dokumentation urbaner Räume hinaus ermutigen sie den Betrachter, gesellschaftliche Phänomene und Entwicklungen zu entdecken und zu hinterfragen.

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