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Während der gemeine Leipziger am vergangenen Samstag sämtliche Naherholungsräume der Stadt bevölkerte, um einen der letzten sonnigen Herbsttage zu genießen, verbrachten wir den gesamten Tag in den extra abgedunkelten Räumen der Galerie für Zeitgenössische Kunst – und haben es nicht bereut.

Das Zentrum für zeitgenössische Fotografie Leipzig e.V. (ZZF) hatte als Abschluss ihrer diesjährigen Veranstaltungsreihe ‚printed matter‘ zu einem Symposium geladen, in dessen Mittelpunkt unabhängige Fotomagazine standen. Ziel war es, gemeinsam mit Kunstwissenschaftlern und Herausgebern von Print- und Onlinemagazinen die Rolle des Mediums in der Kunst zu definieren, die historische Entwicklung zu diskutieren sowie ausgewählte Konzepte unterschiedlicher Fotomagazine vorzustellen.

flyer

Im ersten Teil der gut besuchten Konferenz referierten Regine Ehleiter, Dr. Friedrich Tietjen und Dr. Susanne Holschbach über ausgewählte und sehenswerte Fotomagazine, die Genealogie des Formats und über die unterschiedlichen Präsentationsformen im Netz. Nachfragen oder Diskussionsbedarf aus dem Publikum gab es nach den jeweiligen Vorträgen leider kaum. Vielleicht hat sich aber auch nur mal wieder keiner getraut zu fragen.

Nach der Mittagspause stellten dann die Herausgeber von Ahorn Magazine (Berlin), GUP Magazine (Amsterdam), 1ooo Words Photography Magazine (London), FOAM Magazine (Amsterdam) und Die Böhm (Düsseldorf) ihre Projekte vor.
Nachdem wir im ersten Teil des Symposiums gelernt oder bereits selbst schon einmal bemerkt hatten, dass viele Magazine die ersten drei Ausgaben nicht überleben, war es umso interessanter zu erfahren, worin das Geheimnis eines erfolgreichen Fotomagazins liegt. Oder aber auch, was eigentlich mit dem Begriff ‚erfolgreich‘ gemeint ist.
Das Interesse an Fotokunst ist seit Jahren ungebrochen, der Markt für Fotomagazine dementsprechend groß. Natürlich gibt es viele unterschiedliche Arten ein Fotomagazin zu konzeptionieren: Nicht nur die Entscheidung, ob es sich um eine Printausgabe oder ein E-Zine handelt, wie viel Raum Bild und Text zugestanden wird oder welches Zielpublikum überhaupt angesprochen werden soll, prägen das Erscheinungsbild. Ökonomische Faktoren, so die Aussage aller Referierenden, bestimmen Umfang und Periodik. Schön zu hören war indes, dass allen Herausgebern gemein und wahrscheinlich einer der wichtigsten Gründe für den Erfolg überhaupt, ihre echte Passion für die Fotografie ist.

präsentationen

Im Anschluss an die Präsentationen bestand die Möglichkeit an einem von drei angebotenen Workshops teilzunehmen. Wir entschieden uns für ‚Der Inhalt von Fotomagazinen – Wege um ein Konzept zu entwickeln, Fotografen zu kuratieren und Bilder auszuwählen‘, welcher von Katja Stuke und Oliver Sieber (Die Böhm) geleitet wurde. Die beiden Künstler, die in Ihrem Magazin – im Unterschied zu den anderen anwesenden Herausgebern – nur ihre eigenen Arbeiten veröffentlichen, hatten verschiedene Ausgaben aus den vergangenen 14 Jahren dabei, anhand derer wir uns im offenen Gespräch über Konzepte und deren Umsetzung austauschen konnten. Obwohl Die Böhm in erste Linie als Kunstprojekt dient, ließen sich viele konzeptionelle und praktische Aspekte diskutieren, die in jedem Kunstmagazin von Bedeutung sind. Dass die beiden Künstler ihr Magazin teilweise am heimischen Printer selbst drucken und mal mehr, mal weniger erfolgreich vertreiben, macht auch Newcomern Mut, es mit dem richtigen Konzept und viel Selbstvertrauen einfach zu versuchen. Eine wirkliche inspirierende Veranstaltung.

workshop

Begleitend zum Symposium konnte zudem eine Auswahl aktueller nationaler und internationaler Fotomagazine angeschaut, durchgeblättert und auch käuflich erworben werden. In meinem Besitz befindet sich nun das (an andere Stelle sicher noch einmal ausführlicher zu besprechende) Manifest ANT!FOTO.

ANT!FOTO

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