Rundgang der Hochschule für Grafik und Buchkunst 2015

Mit dem viertägigen Rundgang an der Hochschule für Grafik und Buchkunst (HGB) endete am letzten Sonntag das Jubiläumsjahr zu deren 250 jährigem Bestehen. Wir haben uns ein wenig umgesehen und dabei den Arbeiten der Fotografieklassen den Vorrang gelassen.

HGB

Ursprünglich als Zeichnungs-, Mahlerey- und Architecturacademie im Jahre 1746 gegründet, wurde knapp 150 Jahre später die Fachschule für Photographie und photomechanisches Vervielfältigungswesen als eigener Ausbildungszweig eingerichtet und damit der Grundstein des heutigen Studiengangs für Fotografie gelegt. Während zu Beginn der Fokus vor allem auf der fotografischen Sozialdokumentation lag, bildete sich hier in der zweiten Hälfte des vorigen Jahrhunderts eine eigene „andere Leipziger Schule“ um Evelyn Richter, Arno Fischer, Helfried Strauß und Wolfgang G. Schröter heraus. Das 2009 zu diesem Thema erschienen Buch Die andere Leipziger Schule- Fotografie in der DDR mit wunderschönen Aufnahmen sei hier wärmstens empfohlen.

Heute hat die fotografische Ausbildung an der HGB längst die Grenzen des eigentlichen Mediums der Fotografie verlassen und bedient sich weiterer künstlerischer Instrumente, wie Video, Film, Installation und Objektkunst. Laut der Internetpräsenz der HGB ist das Ziel des Studiums, eine „eigene Haltung und Bildsprache zu entwickeln“. Dieser Lernprozess wird in dem regelmäßig im Februar stattfindenden Rundgang immer wieder anschaulich dokumentiert.

Vom 12. Bis 15. Februar präsentierten die Studierenden und Meisterschüler im gesamten Hochschulgebäude, zumeist nach Klassen geordnet, ihre Arbeitsergebnisse des vergangenen Studienjahres. Die Abschlussarbeiten der DiplomandInnen des Wintersemesters wurden im Festsaal ausgestellt.

Die Fachklasse Fotografie von Prof. Heidi Specker widmete sich der Kopie und dessen Bezug zum Original in der Fotografie und in der Bildenden Kunst. In ihren Arbeiten näherten sich die Studierenden diesem Thema auf ganz unterschiedliche Weise.

Cornelia Thonhauser // Eric Meier // Ernst Sylvester // Hanna Karnapke

Cornelia Thonhauser // Eric Meier // Ernst Sylvester // Hanna Karnapke

Dorothee Waldenmaier // Kristin Loschert

Dorothee Waldenmaier // Kristin Loschert

Die Studierenden der Fachklasse von Prof. Peter Piller (Fotografie im Feld der zeitgenössischen Kunst) setzten sich in diesem Jahr mit den zehn Geboten auseinander. Die Arbeiten gelten als Vorbereitung eines vom Goethe-Institut organisierten Austausch- und Ausstellungsprojekts mit einer Klasse der Minshar Art School in Tel Aviv.

Kristina Jurotschkin

Kristina Jurotschkin

Marie-Louise Marchand

Marie-Louise Marchand

Mein persönliches Highlight in diesem Jahr war die Diplomarbeit von Anders Forsmark aus der Klasse Piller. Im Festsaal präsentierte er einen Auszug aus seiner Serie Seit Tagen kein Wunder, in der er „das banale Moment des Alltags und die abstrakten Dimensionen des städtischen Raums verdichtet und konzentriert aufeinanderprallen“ lassen möchte. Die Auswahl der hochformatigen schwarz weiß Pigmentdrucke vermittelt in ihrer Ästhetik ein Bild von Leipzig, das beim ersten Hinschauen an Aufnahmen moderner Metropolen erinnert und beim genauen Hinsehen den Blick auf eine Stadt preisgibt, deren Architektur ein „heterogenes Gefüge zeitlicher Schichtungen“ widerspiegelt.

Anders Forsmark

Anders Forsmark

Anders Forsmark

Wer den Rundgang in diesem Jahr verpasst hat oder noch ein wenig Nachschlag wünscht, dem sei die Ausstellung Nach dem Krach, vor der Stille im Kunstverein Leipzig in der Kolonnadenstraße 6 empfohlen – eine Kooperation der HGB Leipzig und des Vereins für Zeitgenössische Kunst Leipzig e.V..

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.


*