Momenteel unterwegs im März (Teil 2)

Ich habe heute leider kein Foto für euch, oder anders gesagt: nichts zum Thema Fotografie von meinem Städtetrip aus Brüssel mitgebracht. Während Anja das letzte Märzwochenende in Köln verbrachte, habe auch ich mich in Richtung Norden aufgemacht. Mein Ziel war die belgische Hauptstadt und die derzeit hier laufende Zurbarán-Ausstellung. Und wie es so ist, wenn ich schon sieben Stunden bis nach Brüssel fahre und nur 2 volle Tage zur Verfügung habe, dann möchte ich aber trotz allem zumindest die Klassiker abgehandelt haben. Und das sind für mich:

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B
wie Börse und Belgische Waffeln
R wie Rundgang durch die Stadt
Ü wie Übernachtung im 4* Hotel
S wie Süßigkeiten und Schokolade
S wie Sehenswürdigkeiten, die man gesehen haben sollte, wie das Atomium und Maneken Pis
E wie Europaviertel, in dem man das Europäische Parlament vergeblich sucht ^^
L wie Ladenpassage, in der die Zeit des Jugendstils stehen geblieben scheint

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Nachdem ich bereits schon vor ein paar Jahren in Brüssel war, hatte sich die Stadt merkwürdigerweise in Sepiafarben in meine Erinnerungen eingebrannt. Warum dies so war wurde mir schlagartig klar, als ich Abends durch die Gassen zum  Grand Place gelangte, wo das gotische Rathaus sowie die umliegenden Fassaden der Geschäfte in den Gassen in warmem Licht erstrahlten. Brüssel funkelt und glitzert bei Nacht  ungemein und im Regen noch viel, viel mehr.

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Doch war ich ja nicht hier um die Nacht zum Tag zu machen sondern um die angepriesene Ausstellung im BOZAR Palais des Beaux-arts zu besuchen, welches sich in unmittelbarer Nähe zum Mont des Arts befindet. Zur kleinen Orientierung, bei Francisco de Zurbarán handelt es sich ausnahmsweise nicht um einen zeitgenössischen Fotografen sondern um einen spanischen Maler des 17. Jahrhunderts, welcher sich auf religiöse Gemälde spezialisiert hatte. Müsste ich die Darstellungen Zurbarans umschreiben, so würde ich sie als asketisch und düster beschreiben, wobei mich vor allem ihre Monumentalität und Ausdruckskraft fasziniert. Dementsprechend wurden die Bilder auch in den nur spärlich beleuchteten Ausstellungsräumen auf dunklen Wänden präsentiert, wobei einzelne Spots die ohnehin schon Ausdrucksstarken Bilder zum leuchten brachten. Genau so hatte ich es mir vorgestellt – die Präsentation des spanischen Barockmeisters im rechten Licht.

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Francisco de Zurbarán: Hl. Franziskus (ca. 1645), Musée des Beaux-Arts, Lyon.

Ein paar Schritte vom BOZAR entfernt befindet sich auf dem Kunstberg auch das Musées Royaux des Beaux-Arts, welches – OH WUNDER – eine fantastische Sammlung von belgischen und niederländischen Gemälden aus dem 16. und 17. Jahrhundert beherbergt. Ich schätze jetzt lässt es sich auch nicht mehr leugnen! Ja, ich habe eine Vorliebe für Gemälde aus dieser Zeit und das lässt sich ganz einfach darauf zurückführen, dass ich sie alles andere als langweilig und verstaubt finde. Denn im Detail steckt sozusagen der Teufel und der sieht bei Brueghel & Co. manchmal ganz schön merkwürdig aus.

Details
Interessant ist auch, dass die Bilder zum einen sehr stark ins Unrealistische abdriften und zum anderen aber extrem wirklichkeitsgetreu den Alltag des Goldenen Zeitalters wiedergeben – fast schon wie Fotografien. Das trifft zum Beispiel auf die Markt- und Küchenstücke Aertsens und Beuckelaers zu, die annähernd lebensgroß in kräftigen Farben und mit genauer Beobachtung Szenen des alltäglichen Lebens schildern und den Betrachter in ihre Welt ziehen.

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Joachim Beuckelaer: Christus im Haus von Martha und Maria (1565), Musées Royaux des Beaux-Arts, Brüssel.

Und irgendwie wird man das Gefühl nicht los, dass auch ein Teil der Alten Welt im heutigen Brüssel weiterlebt. Und das macht auch den Charme der Stadt aus. Es ist die Mischung aus Alt und Neu, Tradition und Innovation, Schnelligkeit und Genuss.

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