Memory Lab Berlin

Noch bis zum 16. November findet in Berlin das größte deutsche Fotofestival statt. Bereits zum sechsten Mal werden während des Monats der Fotografie (MdF) in Zusammenarbeit mit Museen, Galerien, Fotoschulen und kulturellen Institutionen in Berlin und Potsdam zahlreiche Ausstellungen und Veranstaltungen sowohl zu historischer als auch zu zeitgenössischer Fotografie präsentiert. Klar, dass wir uns das nicht entgehen lassen haben.

Da die Auswahl riesig ist, wir aber nur einen Nachmittag Zeit hatten, mussten wir uns entscheiden. Die Wahl fiel auf den Martin Gropius Bau und die zentrale Ausstellung des Festivals – Memory Lab: Die Wiederkehr des Sentimentalen.

Wir beschlossen, an einer öffentlichen Führung durch die am Samstag gut besuchten Ausstellungsräume teilzunehmen und erhielten dadurch zumindest einen knappen Überblick über die Vielzahl der ausgestellten Werke sowie einige hilfreiche Anregungen zur Lesart der Fotografien. Leider war es nicht erlaubt, eigene Fotos zu machen. Daher schaut Euch am besten die Slideshow des MdF Berlin an (einfach auf das MdF Logo hier klicken und auf der MdF Seite dann das Foto von Andreas Mühe anklicken).

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In ihren Arbeiten setzen sich die Fotografen und Videokünstler, unter ihnen Andreas Mühe, Nan Goldin und Erwin Olaf, auf ganz unterschiedliche Weise mit der eigenen und gesellschaftlichen Existenz, Historie und Erinnerungskultur auseinander. Die meist essayhaft angelegten Serien wirken nur auf den ersten Blick dokumentarisch. Emotional aufgeladen vermögen sie die die Empfindungen (engl. Sentiment) der Betrachter – also auch unsere – anzusprechen und fordern zu einer individuellen Auseinandersetzung mit dem jeweiligen Thema auf.

In der schwarz-weiß Fotoserie Puppies in Torture Chambers (2010) des chilenischen Künstlers Pablo Zuleta-Zahr beispielsweise werden die Reaktionen einer Schulklasse während eines Ausfluges in ein ehemaliges geheimes Untersuchungsgefängnis der chilenischen Junta auf Fotografien dargestellt, die auf den ersten Blick wie Schnappschüsse anmuten. Die spielerische Neugierde der Kinder kontrastiert hier (sofern man weiß, dass es sich um ein ehemalige Gefängnis handelt) die grausame Vergangenheit des Gebäudes.

Religion, Krieg, Unterdrückung und 3. Reich sind sicher nicht zufällig die beherrschenden Themen der Ausstellung, deren Untertitel Fotografie konfrontiert Geschichte lautet. Im Memory Lab verknüpfen sich die Erlebnisse und Erfahrungen der Künstler in der Annäherung an ihr jeweiliges Bildthema mit den Erinnerungen des Betrachters und erschaffen dadurch eine neue Bildwirklichkeit, die gewohnte Lesarten in Frage stellt und damit zwangsläufig Reaktionen provoziert. Vieles ist möglich im Labor der Erinnerungen.

Der MdF Berlin ist Mitglied des European Month of Photography (EMoP), dessen Ziel es ist, die Zusammenarbeit auf europäischer Ebene zu fördern. Die Ausstellung Memory Lab: The sentimenatal Turn wird in jeweils adaptierter Form in den sieben Partnerstädten des EMoP-Netzwerkes gezeigt. Welch ein Zufall, dass wir Ende des Monats nach Wien reisen, wo mit eyes on gerade die österreichische Variante des Monats der Fotografie stattfindet.

 

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