Kirill Golovchenko ‚Bitter Honeydaw‘

Für unser heutiges Kalendertürchen haben wir uns mal wieder in der Welt der Bücher umgeschaut und wollen euch den Bildband Bitter Honeydaw des ukrainischen Fotografen Kirill Golovchenko ans Herz legen.

Golovchenko wurde 1974 in Odessa geboren. Zunächst absolvierte er in Mainz ein Fremdsprachenstudium, bevor er von 2002 bis 2007 Fotografie und Design an der Universität Darmstadt studierte. Das alltägliche Leben in Osteuropa ist ein übergeordnetes Thema der Arbeiten Golovchenkos, in denen er den Moment im Bild festhalten möchte und die schwer fassbaren Zeichen der Vergangenheit in das Hier und Heute transferiert.

Für sein 2015 veröffentlichtes Buch Bitter Honeydaw hat Kirill Golovchenko hinter die Kulissen der Straßenmärkte an ukrainischen Fernstraßen geschaut und den Überlebenskampf der hier lebenden Händler dokumentiert. Denn in den Sommermonaten lassen sie sich zahlreich am Straßenrand nieder und verkaufen Gemüse und Obst. Dabei sind es nicht nur Einheimische die sich hier zusammen finden, sondern auch Menschen aus Weißrussland, Moldawien, Aserbaidschan, Georgien und Armenien kommen hierher um Geld zu verdienen und um sich ihrem Ziel – einen besseren Lebensstandart zu erreichen – zu nähern. Für viele der Händler werden in den Sommermonaten die Fernstraßen zu ihrem Zuhause. Hier arbeiten und leben sie gemeinsam mit ihren Familien in Zelten und Wohnwagen.

Für den Bildband dokumentiert Kirill Golovchenko die nächtliche Arbeit der vorübergehenden Migranten und Saisonarbeiter. Dabei stehen sowohl sie selbst, als auch Gegenstände, Formen und Materialien ihrer unmittelbaren Umgebung im Fokus der Betrachtung. Der Fotograf wechselt immer wieder den Abstand zwischen Kamera und seinen Motiven und vermittelt so ein äußerst detailliertes, spannungsreiches Bild des Mikrokosmos, der in den Sommermonaten an den Fernstraßen entsteht. Dabei werden die Assoziationen zu den Elementen der Bildkomposition dem Betrachter selbst überlassen.

© KIRILL GOLOVCHENKO

© KIRILL GOLOVCHENKO

© KIRILL GOLOVCHENKO

Im Bildband werden zum einen die Fotografien als doppelseitige Weitwinkelaufnahmen präsentiert. Zum Anderen stehen sich Nahaufnahmen, die bruchstückhafte Informationen der Umgebung liefern, empathischen Porträts gegenüber. Charakteristisch für die Arbeiten Golovchenkos ist der unkonventionelle Einsatz des Lichtes. So dient auf einigen Bildern lediglich eine Glühbirne als Beleuchtungsquelle, deren gelber Schein die nächtliche Szene in eine nahezu romantische Landschaft verwandelt. Auf anderen Bildern kommt ein fast schon brutales Blitzlicht zum Einsatz, welches die dargestellten Objekte und Menschen – ähnlich den Gemälden Caravaggios – aus dem schwarzen Hintergrund hervortreten lässt.

Die greifbare Realität und das ungewöhnliche Verständnis von Kompositionen lassen den Betrachter ganz nah an die nächtliche Welt der Straßenverkäufer rücken, die Golovchenko ganz unverfälscht in seinen Fotografien festhält.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.


*