Into the Blue

Wenn Ihr dachtet, momenteel wäre in den vergangenen Wochen ‚abgetaucht‘, dann liegt Ihr damit tatsächlich genau richtig. Denn während die Temperaturen in Deutschland gerade knapp über dem Gefrierpunkt lagen, durfte ich bei angenehmen 28°C Wassertemperatur einen kleinen Teil des Indischen Ozeans erkunden.

unter wasser

Ein paar Eindrücke der Unterwasserwelt

Erstmals mit zum Meeresgrund nahm ich diesmal meine kleine, bereits in die Jahre gekommene Kompaktkamera, für die ich netterweise vom Weihnachtsmann ein passendes Unterwassergehäuse geschenkt bekam. Neben Fische gucken, war also auch Fische fotografieren angesagt.

Allerdings gilt es beim Fotografieren unter Wasser so einiges zu beachten.
Idealerweise sollte die Tarierung – also das ausbalancierte Herumschwimmen in voller Tauchermontur – bereits problemlos funktionieren. Wer möchte schon während des Fotografierens auf dem Meeresboden aufschlagen, gegen das Riff knallen oder ungebremst zur Oberfläche hinaufschießen?
Ist das entsprechende Fotomotiv erst einmal ausfindig gemacht, zählt oft Schnelligkeit. Denn zum einen sind die meisten Meeresbewohner eher scheue Zeitgenossen und verschwinden oft sofort wieder hinter Korallen, in Anemonen oder in der Weite des Ozeans. Zum anderen sollte die Oberfläche sicher erreicht werden, bevor die Atemluft – in der Regel nach etwa einer Stunde – ausgeht.
Und dann gibt es noch die sogenannte Farbselektierung: Wenn Sonnenlicht in Wasser eindringt, werden nämlich die Spektralfarben mit zunehmender Tiefe und auch zunehmender Weite ausgelöscht. Bereits nach fünf Metern werden Rottöne absorbiert, danach verschwindet Orange und auf 30 Metern Tiefe ist auch Gelb kaum mehr wahrzunehmen. Ohne einen starken Blitz und zusätzlichen Rotfilter wirken dann alle Aufnahmen bläulich kühl und farblos. Wer wie ich keinen starken Blitz an seiner Kamera hat, dem helfen zusätzliche Lampen oder auch das Nachkorrigieren der Farben am heimischen Rechner.

taking picture

Beim Fotografieren unter Wasser

Aber nicht nur Hobbytaucher und Biologen, sondern auch einige Künstler haben sich auf die Herausforderung, die die Unterwasserfotografie mit sich bringt, eingelassen. Bei meiner Recherche stieß ich auf eine Menge spannender Projekte. Zwei Künstler möchte ich Euch dabei besonders ans Herz legen.

Bruce Mozert (geb. 1916) gilt als ein Pionier der Unterwasserfotografie. Nachdem er Ende der 1930er Jahre aus New York nach Florida übersiedelte, entwickelte er schon bald seine erste Unterwasserkamera. Im kristallklaren Wasser der Silversprings entstanden gestochen scharfe Bilder, die in den folgenden Jahren das Bild Floridas prägen sollten. Humorvolle Bilder junger Frauen und Männer, die Golf spielen, grillen, oder Zeitung lesen entwerfen ein sorgenfreies Bild im Postwar Amerika der 1940er Jahre.

 © Bruce Mozert

© Bruce Mozert

In den Bildern des österreichischen Fotografen und leidenschaftlichen Hobbytauchers Andreas Franke bekommen die Modelle keine nassen Füße. In seiner Ausstellungsreihe ‚The Sinking World‘ hauchte er zuerst dem im Jahr 2009 kontrolliert versenkten ehemaligen Kriegsschiff Vandenberg wieder Leben ein, indem er die Unterwasserfotografien des Wracks später mittels Bildmontage mit im Studio arrangierten Alltagszenen kombinierte.

Project Vandenberg   © Andreas Franke

Project Vandenberg     © Andreas Franke

Ausgestellt wurden die Arbeiten anschließend auf der Vandenberg selbst. Ihr lest richtig. Die Fotos, in einem rostfreien Stahlrahmen und hinter Plexiglas versiegelt, wurden mit Magneten am Schiff befestigt und konnten beim Wracktauchen bestaunt werden – ein Ausstellungsbesuch der besonderen Art.

Project Vandenberg - Ausstellung     Project Stavronikita © Andreas Franke

Project Vandenberg – Ausstellung unter Wasser     © Andreas Franke

Aufnahmen des vor Barbados gesunkenen griechischen Frachters SS Stavronikita kombinierte Franke mit Studioaufnahmen, die das ausschweifende Rokokozeitalter nachahmen.

Project Stavronikita  © Andreas Franke
Project Stavronikita     © Andreas Franke

Das 2012 versenkte ehemalige Kriegsschiff USS Mohawk dient als Kulisse für sein drittes Projekt der Sinking World Reihe. Die Montagen versetzen den Betrachter zurück in die 1940er Jahre und zeigen den Alltag an Bord der Mohawk.

Project Mohawk     © Andreas Franke

Project Mohawk     © Andreas Franke

Da momenteel das Meer mindestens genauso innig liebt wie Fotokunst, sind die Unterwasserfotografien ein echter Augenschmaus. Und auch wenn meine eigenen Aufnahmen mit Fotokunst wenig zu tun haben – fest steht, beim nächsten Tauchgang ist die Kamera wieder dabei.

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