Grenzenlos…

Zurück aus dem Urlaub, bin ich wieder voll im Arbeitsmodus, auch wenn mein Beitrag mich gedanklich direkt wieder zurück nach Havanna bringt. Obwohl es sich um keine aktuelle Ausstellung handelt und das alles auch gar nichts mit Leipzig zu tun hat, so richte ich heute einmal meine Aufmerksamkeit auf fotografische Arbeiten aus Cuba.

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Vorstellen werde ich euch das Projekt eines befreundeten cubanischen Künstlers, der im letzten Jahr im Rahmen der Ausstellung „Reprografía, un museo sin paredes“ seine Fotografien ausstellte. Derzeit arbeitet Ioan Carratala an neuen Projekten in Guadalajara, aufgewachsen ist er jedoch in Cuba und hat hier an der Academia de Artes Plásticas “San Alejandro” Kunst studiert. Schon immer galt Ioans Leidenschaft der antiken Kultur und so war es für mich nicht verwunderlich, dass auch das Projekt „Museum ohne Wände“ sich thematisch genau mit dieser auseinandersetzt. Was ich jedoch noch nicht wusste war, dass er sich neben Plastiken und Zeichnungen auch dem  Mittel der Fotografie bedient, was mich umso neugieriger machte.

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Das Gesamtkonzept – und das verrät im Grunde bereits der Titel der Ausstellung – geht auf die Museumskritik von André Malraux zurück. In seiner während des 2. Weltkriegs verfassten Schrift „Das Imaginäre Museum“ plädiert er für ein „Museum ohne Wände“. Dieses grenzenlose Museum findet ganz allein in unserem Kopf statt und gleicht, nach seinen Vorstellungen, einem Museum der Weltkunst, wie es zu seiner Zeit nicht existierte. Im Kontext dieser Gedanken vollzog André Malraux nicht nur einen Wechsel vom realen hin zum virtuellen Museum, sondern auch den Übergang von den Objekten bzw. den Originalen hin zu deren Ersatz durch Fotografien.

Anders gesagt, statt nach einer Sammlung mit Originalen strebt Malraux nach einer kompletten Kunstsammlung im fotografischen Medium. Dabei erscheinen die Kunstwerke oft lediglich in Teilansicht und erhalten so eine neue Ausdruckskraft.

Genau an diesem Punkt knüpft für mich Ioan Carratala an. Auch er bezieht sich in seinen Fotografien weitestgehend auf die antiken Originale, ist Malraux jedoch einen Schritt voraus, da er sich bereits auf die zweidimensionalen Reproduktionen konzentriert. Diese wiederum verfremdet Carratala soweit, bis der Betrachter auf den Fotografien nicht mehr nur die antiken Elemente sondern ebenso Merkmale anderer Kunstepochen und Stile entdeckt.

Auriga

Auriga

Apolo de Belvedere

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Partenon

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Peli,crate,pa

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!Te encontré!

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Osmosis II

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Venus de Rodillas

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Laoconte y sus hijos

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