Fotos, aber sofort!

Spätestens seit Instagram und Pixlr-o-matic wissen wir, dass der Charme analoger Fotografien – wenn auch mithilfe digitaler Filter erzeugt – wieder hip ist.

Wer es aber ganz authentisch mag, der kommt um die guten alten Analogkameras nicht herum. Analoge Kompakt-, Spiegelreflex- und Spielzeugkameras wie zum Beipiel Lomo oder Holga lassen sich zwar problemlos mit den nach wie vor erhältlichen 35 mm Filmen verwenden, die Fotos müssen jedoch erst in der Dunkelkammer oder im Labor entwickelt werden – das kann in einigen bekannten Drogeriemärkten schon mal bis zu einer Woche dauern.

Analoge Fotografie Holga Kamera

Analoge Fotografie Holga Kamera

Anders bei analogen Sofortbildkameras, deren bekannteste Vertreter aus dem Hause Polaroid stammen: Edwin Herbert Land, ein US amerikanischer Physiker erfand in den 1930er Jahren einen Kunststoff Polarisationsfilter, den sogenannten Polaroid Filter. Daraus entwickelte er das Polaroid-Trennbildfilm-Verfahren und konnte schließlich 1947 eine Kamera präsentieren, die nur wenige Sekunden nach der Aufnahme ein fertiges Papierbild lieferte – eine Revolution in der Geschichte der Fotografie. Die gesicherten Patente bescherten der Firma Polaroid bis zur Einstellung der Produktion im Jahr 2008, ihre konkurrenzlose Stellung als Marktführer. Seit der Schließung des letzten Polaroid Werkes in Enschede (NL) produziert nur noch das Unternehmen Impossible gemeinsam mit Ilford Filme für alte Polaroid Kameras. Leider aber nicht für meine Polaroid i-zone, die nun schon seit Jahren im Dornröschenschlaf versunken ist, weil ich mir solche Tutorials dann doch nicht zutraue.

mit Pixlr-o-matic bearbeitetes Digitalfoto

mit Pixlr-o-matic bearbeitetes Digitalfoto (meiner Polaroid Kamera)

Viele bekannte Fotokünstler, unter anderem Anselm Adams, Julian Schnabel, Andy Warhol,  Robert Mapplethorpe und Oliver Marks haben mit Polaroids gearbeitet. Eigenheiten der Fotos, wie zum Beispiel die im Laufe der Jahre verblassenden Farben, unterstreichen dabei den besonderen Charakter der Aufnahmen.

The Polaroid Book. Selections from the Polaroid Collections of Photography.

Buch: The Polaroid Book. Selections from the Polaroid Collections of Photography.

Der Leipziger Hobbyfotograf und Bastler Alex Köstler, welchen wir im Sommer auf der Ausstellung im Werk 2 trafen, hat es sich zur Aufgabe gemacht, alte Polaroid Kameras zu reparieren und wieder fit zu machen. Typische Falschfarben und Bildstörungen machen dabei den ganz besonderen Reiz der Aufnahmen aus. Bei einem durchschnittlichen Preis von etwa 20 Euro für acht Fotos überlegt er sich sicher schon recht genau, welches Motiv er wählt. Testaufnahmen können da sehr kostspielig werden.

Alex Köstler

Alex Köstler Polaroids Kulturshake City Crash 4.0

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Alex Köstler Polaroids Kulturshake City Crash 4.0

Einen ganz anderen, viel größeren Zugang zur Welt der der Sofortbilder nutzt der Leipziger Fotokünstler Jan Wenzel. Er inszeniert seine Sujets direkt in einem Fotofix-Automat (Raummaße: 193 cmx175 cm x75 cm). In nur 28 Sekunden entstehen hier vier Bilder. Da bleibt nur wenig Zeit, Gegenstände im Bild zu rücken und zu verändern. Wie das funktioniert? Wenzel selbst schreibt: „Der Akt des Fotografierens ähnelt dabei der Arbeitsweise eines Bricoleurs – aus einem Fundus von Dingen steht mir nur das zur Verfügung, was ich gerade zur Hand habe. Der Zeittakt des Automaten führt dazu, dass die Veränderungen von Bild zu Bild möglichst einfach sein müssen, denn auch so bringt jede Wiederholung der Abfolge unterschiedliche Ergebnisse. Aus mehreren, nebeneinander gelegten Fotostreifen entsteht letztlich ein imaginärer Raum, aufgenommen in einer Kabine, in der während des Fotografierens nach einer vorher eingeübten Choreografie eine Anzahl Veränderungen vorgenommen wurden.“

Frau mit Tasche, 2003 © Jan Wenzel

Jan Wenzel lebt und arbeitet in Leipzig. Er ist Mitgründer des Verlags Spector Books, einem Verlag am „Schnittpunkt von Kunst, Theorie und Designs“.

Bastler I, 2000 © Jan Wenzel

Wer jetzt ein bisschen Lust auf Retro Fotos bekommen hat und wissen möchte, wie es sich anfühlt, wenn der Blitz zwar regelmäßig alle 28 Sekunden und dann trotzdem jedes Mal wieder völlig überraschend auslöst, dem sei der urige ‚Photoautomat‘ auf der Karli (Nähe Löffelfamilie) wärmstens empfohlen. Für nur zwei Euro und fünf Minuten Wartezeit bekommt man vier wirklich charmante Papierfotos. Besser bekommt das auch keine Smartphone App hin. Noch mehr Spaß macht das ganze natürlich zu zweit … oder zu dritt … oder zu viert … .

'Photoautomat' auf der Karli

‚Photoautomat‘ auf der Karli

automat

Automatenbilder

 

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